Podcast Folge 55:

Sternenkinder und Trauer

1.200 Kilometer, damit ihre Geschichten gesehen werden.

Aktualisiert am 13.09.2026

Sternenkinder und Trauer sind Themen, über die noch immer viel zu selten gesprochen wird. Rainer Juriatti möchte das ändern: Im Frühjahr 2024 lief er mit einem Sportkinderwagen 1.200 Kilometer durch Österreich, um Sternenkindern und ihren Eltern mehr Sichtbarkeit zu geben.

Und manchmal entstehen besondere Begegnungen genau dort, wo man sie nicht erwartet. Während ich auf dem österreichischen Jakobsweg in entgegengesetzter Richtung unterwegs war, trafen sich unsere Wege und wir blieben für ein Gespräch mitten in der Natur stehen.

Entstanden ist ein berührendes Interview über „1.200 km für Sternenkinder“, über Trauer und Einsamkeit, über Sternenkind-Väter, Mut und Humor und über die Frage, wie man mit einem Verlust weiterlebt, der ein Leben lang Teil der eigenen Geschichte bleibt.

Hör dir das Interview mit Rainer Juriatti an oder lies weiter und erfahre, welche bewegenden Gedanken und Begegnungen er auf seinem 1.200 Kilometer langen Weg mitnimmt.

In dieser Folge erfährst du:

Baby Wunder der Kinderwunsch Podcast fürs Herz. Podcast Folge 55_Sternenkinder und Trauer. 1200 km für Sternenkinder. Interview mit Rainer Juriatti

Inhaltsverzeichnis

Über Rainer Juriatti und "1.200 km für Sternenkinder"

Rainer Juriatti ist Schauspieler, Autor, Sternenkind-Aktivist und selbst fünffacher Sternenkind-Vater. Gemeinsam mit seiner Frau Vera engagiert er sich seit mehr als 30 Jahren für Sternenkinder und ihre Eltern. Beide sind unter anderem als Sternenkindfotografen in der Akuthilfe tätig und leiten einen monatlichen Sternenkind-Elterntreff.

Aus diesem persönlichen Engagement entstand auch „Mein Sternenkind“. Die Online-Hilfekarte bringt betroffene Familien mit Unterstützungsangeboten zusammen und soll ihnen helfen, nach dem Verlust eines Kindes möglichst schnell passende Anlaufstellen zu finden.

2024 machte Rainer Juriatti dieses oft unsichtbare Thema auf eine außergewöhnliche Weise sichtbar: Mit dem Projekt 1.200 km für Sternenkinder lief er durch ganz Österreich. Sein Begleiter war ein rund 45 Kilogramm schwerer Kindersportwagen – bewusst leer. Er steht symbolisch für die Leere, aber auch für den Schmerz und die Einsamkeit, die Sternenkind-Eltern nach dem Verlust ihres Kindes begleiten können.

Besonders berührend: Rainer Juriatti startete am 26. April 2024, dem Todestag seines Sohnes Pablos, einem seiner fünf Sternenkinder.

Mehr über Rainer Juriatti und sein soziales Engagement findes du auf:

Lieber hören als lesen?

Dann höre dir mein Gespräch mit Rainer Juriatti hier direkt an. Wir sprechen über seine 1.200 km für Sternenkinder, über bewegende Begegnungen auf seinem Weg und darüber, was Sternenkind-Eltern wirklich brauchen: Sichtbarkeit, Raum für ihre Trauer und Menschen, die auch dann noch da sind, wenn oft schon lange niemand mehr darüber spricht.

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Folge 55: Sternenkinder und Trauer. 1.200 km für Sternenkinder – Interview mit Rainer Juriatti

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Sternenkinder und Trauer: 1.200 Kilometer, damit ihre Geschichten gesehen werden

Ein Kind während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach zu verlieren – ein Sternenkind – verändert das Leben. Und trotzdem findet dieser Verlust in unserer Gesellschaft oft kaum einen Raum.

Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Für ihre Eltern sind sie jedoch weit mehr als eine Definition: Sie sind ihre Kinder. Sie gehören zur Familie und bleiben ein Teil ihrer Geschichte.

Genau dafür möchte Rainer Juriatti mit seinem Projekt mehr Sichtbarkeit schaffen.

Auf seinem Weg durch Österreich erlebt er immer wieder, wie groß das Bedürfnis ist, über Sternenkinder und die Trauer nach dem Verlust eines Kindes zu sprechen. Menschen erkennen ihn auf Radwegen, bleiben stehen und erzählen ihm ihre Geschichten. Hoteliers schenken ihm Übernachtungen, Menschen laden ihn zum Essen ein. Und immer wieder entstehen Begegnungen und Gespräche, die ohne diesen Lauf vielleicht nie stattgefunden hätten.

Rainer Juriatti erlebt dabei viel Wertschätzung und Anerkennung für sein Projekt. Doch im Gespräch sagt er etwas, das bei mir hängen geblieben ist: Eigentlich sollte genau dieser Respekt den Sternenkind-Eltern selbst entgegengebracht werden.

Denn noch immer fühlen sich viele Eltern mit ihrer Trauer allein. Über ihr Kind wird kaum gesprochen. Andere wissen nicht, was sie sagen sollen. Und irgendwann entsteht vielleicht sogar das Gefühl, dass das Thema nun „vorbei“ sein müsste.

Doch ein Kind, das gegangen ist, hört nicht auf, Teil der eigenen Geschichte zu sein.

Wie sehr es manchmal nur einen Raum braucht, in dem diese Gesichte erzählt werden darf, zeigt eine Begegnung auf Rainer Juriattis Weg ganz besonders.

Podcast Interview Baby Wunder mit Rainer Juriatti - 1200 km für Sternenkinder
Podcast Interview mit Rainer Juriatti

Wenn nach 30 Jahren plötzlich Worte da sind

Nach einer seiner Veranstaltungen kommt Rainer Juriatti mit einem Mann ins Gespräch. Ein zweiter Mann beteiligt sich und auch er beginnt, über seine Erfahrungen zu sprechen.

Später kommt die Frau des ersten Mannes zu Rainer Juriatti und erzählt ihm etwas, das mich beim Interview tief berührt hat:

Ihr Mann hatte gerade zum ersten Mal seit 30 Jahren über seine Sternenkinder gesprochen.

30 Jahre.

So lange kann Trauer still sein.

Genau deshalb braucht es Räume, in denen Sternenkinder sichtbar sein dürfen und Eltern über sie sprechen können. Nach wenigen Wochen genauso wie nach vielen Jahren.

Wie können Sternenkinder einen sichtbaren Platz in unserer Gesellschaft bekommen?

Wie können wir dafür sorgen, dass Sternenkinder nicht nur im Herzen ihrer Eltern, sondern auch in unserer Gesellschaft einen sichtbaren Platz bekommen?

Rainer Juriatti bringt in unserem Gespräch eine Idee auf, die eigentlich erstaunlich einfach ist.

In Gemeinde- und Pfarrblättern lesen wir von Geburten, Taufen, Hochzeiten, Jubiläen und Todesfällen. Menschen werden willkommen geheißen, gefeiert und verabschiedet.

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Aber wo sind die Sternenkinder?

Rainer Juriatti schlägt deshalb vor, auch für sie eine eigene Rubrik zu schaffen. Selbstverständlich nur dann, wenn die betroffenen Eltern das möchten. Dort könnte der Name des Kindes stehen. Vielleicht auch die Namen der Eltern. Eine kleine Erwähnung, die sagt: Dieses Kind war da. Es gehört zu dieser Familie. Und es darf gesehen werden.

Diese Sichtbarkeit könnte gleichzeitig etwas verändern, das viele Menschen im Umgang mit Sternenkind-Eltern kennen: die Unsicherheit.

Was sage ich? Darf ich das Kind ansprechen? Reiße ich damit eine Wunde auf? Oder ist es besser, gar nichts zu sagen?

Rainer Juriattis Antwort darauf ist wunderbar einfach. Wenn wir wissen, dass jemand ein Kind verloren hat, braucht es keine großen Worte. Manchmal reicht:

„Ich habe davon gelesen. Es tut mir leid.“

Mehr muss es gar nicht sein. 

Denn gesellschaftliche Anerkennung braucht nicht immer große Aktionen oder teure Gedenkorte. Manchmal beginnt sie mit etwas ganz Kleinem: einem Namen, einem Platz und dem Mut, nicht wegzuschauen.

Logo Baby Wunder

Sichtbarkeit muss keine riesige Aktion sein. Manchmal reicht ein Name, eine Erwähnung oder ein einfaches: Es tut mir leid.

Wie verändert die Trauer um ein Sternenkind das Leben?

Trauer ist nicht immer laut. Sie ist nicht jeden Tag gleich stark und sie ist von außen oft gar nicht sichtbar. Trotzdem kann sie nach dem Verlust eines Kindes zu einem ständigen Begleiter werden.

Während seines Laufs findet Rainer Juriatti dafür ein Bild, das mich in unserem Gespräch besonders berührt hat: das Grundrauschen.

Auf seinen vielen Kilometern durch Österreich fällt ihm auf, dass es selbst mitten in der schönsten Natur fast nie vollkommen still ist. Irgendwo hört man Autos, eine Straße oder andere Geräusche. Da ist immer etwas im Hintergrund.

Genauso kann es mit der Trauer um ein Sternenkind sein.

Eine Frau, die Rainer Juriatti auf seinem Weg kennenlernt, erzählte ihm von ihrem verstorbenen Kind. Nach diesem Verlust hatte sie nie wieder den Mut, sich auf eine weitere Schwangerschaft einzulassen. Die Angst, noch einmal ein Kind zu verlieren, war zu groß. Ihr Schmerz war nach außen kaum sichtbar und doch begleitete er sie weiter.

Ein Grundrauschen, das niemand hört und das trotzdem immer da ist.

Auch Rainer Juriatti kennt dieses Grundrauschen. Doch bei ihm hat es sich im Laufe der Jahre verändert.

Sein Sohn Pablo starb 1995 in der 25. Schwangerschaftswoche. Rainer Juriatti erzählt, dass er sich während seines Laufs sehr intensiv mit ihm verbunden fühlt. Pablo ist für ihn auf diesen 1.200 Kilometern gewissermaßen mit unterwegs.

Der Verlust hat Rainer Juriatti verändert. Er begann sich zu fragen: Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig? Und was ist mir nicht mehr wichtig? Freundschaften und Prioritäten verändern sich. Aus einem zunächst schmerzvollen Grundrauschen wurde mit der Zeit etwas, das Rainer Juriatti heute als wertvoll beschreibt.

Genau hier kommen wir zu einem wichtigen Punkt:

Es geht nicht darum, einen solchen Verlust schönzureden oder darin möglichst schnell etwas Positives finden zu müssen. Trauer darf zuerst einfach Trauer sein.

Vielleicht verändert sich irgendwann der Blick darauf. Vielleicht entsteht aus einer schmerzhaften Erfahrung Jahre später etwas Neues. Und vielleicht bekokmmt das Erlebte dadurch eine ganz persönliche Bedeutung.

Aber wann und ob das geschieht, darf jeder Mensch für sich selbst herausfinden.

Grundrauschen - Rainer Juriatti - 1200 km für Sternenkinder
Grundrauschen. Der Ausblick während unseres Interviews.

Muss der Tod eines Kindes einen Sinn haben?

Nach dem Verlust eines Kindes taucht irgendwann vielleicht die Frage auf: Warum ist das passiert? Warum mein Kind? Welchen Sinn soll das haben?

Doch muss es auf diese Fragen überhaupt eine Antwort geben?

Rainer Juriatti hat dazu eine sehr klare Haltung. Gerade in der akuten Trauer geht es für ihn nicht darum, möglichst schnell einen Sinn im Verlust zu finden. Im Gegenteil: Der Tod eines Babys darf zunächst einfach vollkommen sinnlos sein.

Niemand muss darin eine Botschaft erkennen. Niemand muss überlegen, was das Leben damit sagen oder welche Lektion daraus gelernt werden soll.

Trauer darf weh tun. Wut darf da sein. Man darf hadern, verzweifelt sein und sich gegen das Geschehene auflehnen. Und vor allem: Niemand anders darf bestimmen, wie ein Mensch zu trauern hat.

Diesen Gedanken finde ich gerade im Kinderwunsch unglaublich wichtig.

Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Verlust eines Kindes musst du nicht sofort nach dem Positiven suchen. Du musst nicht dankbar für eine Erfahrung sein, die gerade einfach nur schmerzt. Du musst daraus auch nicht möglichst schnell gestärkt hervorgehen.

Wenn du gerade selbst um ein Sternenkind trauerst oder besser verstehen möchtest, wie unterschiedlich Trauer nach dem Verlust eines Kindes sein kann, hör dir auch mein Interview mit Isabel Lopez-Kubben über ungelebte Trauer um Sternenkinder an.

Was hat Viktor Frankl mit Trauer und Sinn zu tun?

In unserem Gespräch kommen Rainer Juriatti und ich auf Viktor Frankl und die Logotherapie zu sprechen. Hier wird eine Unterscheidung wichtig:

Es geht nicht darum, dem Tod eines Kindes einen Sinn zu geben.

Es geht darum, dass ein Mensch vielleicht irgendwann für sich selbst entscheiden kann, welche Bedeutung diese Erfahrung für sein weiteres Leben bekommt.

Rainer Juriatti bezeichnet das als Sinnbehaftung. Diese kann niemand von außen vorgeben. Jeder Mensch kann nur für sich selbst herausfinden, ob und welcher persönliche Sinn irgendwann aus einer zunächst vollkommen sinnlosen Erfahrung entstehen darf.

Bei Rainer Juriatti selbst ist genau das passiert.

Der Tod seines Sohnes Pablo bleibt für ihn sinnlos. Gleichzeitig hat Pablo sein Leben tiefgreifend verändert. Rainer Juriatti begann anders darauf zu schauen, was ihm wirklilch wichtig ist. Beziehungen veränderten sich, Prioritäten verschoben sich und aus dieser Erfahrung entwickelte sich viele Jahre später auch sein Engagement für andere Sternenkind-Eltern.

Der Verlust selbst bekommt dadurch keinen Sinn. Aber aus dem, was wir erlebt haben, kann irgendwann etwas entstehen, das unserem weiteren Leben Bedeutung gibt.

Vielleicht ist genau dieses „irgendwann“ entscheidend. Nicht mitten im größten Schmerz. Nicht, weil jemand sagt, du müsstest jetzt nach vorne schauen. Und schon gar nicht, weil Trauer irgendwann abgeschlossen sein sollte. Sondern dann, wenn sich der eigene Blick darauf verändert.

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Wie trauern Sternenkind-Väter?

Wenn ein Kind während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt stirbt, richtet sich verständlicherweise viel Aufmerksamkeit auf die Mutter. Doch auch der Vater hat ein Kind verloren. Auch er trauert.

Wie diese Trauer aussieht, kann jedoch ganz unterschiedlich sein. Sie muss nicht genauso aussehen wie die Trauer der Partnerin.

Rainer Juriatti liegt dieses Thema besonders am Herzen. Als fünffach Sternenkind-Vater kennt er nicht nur seine eigene Trauer, sondern begleitet auch andere betroffene Väter. Im Gespräch erzählt er von einem kleinen Wimpel an seinem Kinderwagen. Darauf stehen die Worte:

„Ich halte mich mutig.“

Für Rainer Juriatti sind Mut und Zuversicht gerade für Sternenkind-Väter wichtig. Nicht im Sinne von:  Du musst jetzt stark sein. Auch nicht, weil ein Mann seine eigene Trauer zurückstellen sollte, um seine Partnerin aufzufangen. 

Vielmehr geht es daraum, trotz des Verlustes nicht jede Zuversicht und Lebensfreude zu verlieren.

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Ich predige mir selbst die Leichtigkeit in aller Schwere.

Rainer Juriatti

Welche Rolle kann Humor in der Trauer spielen?

Dann spricht Rainer Juriatti über etwas, das im ersten Moment vielleicht gar nicht zu Sternenkindern und Trauer zu passen scheint: Humor.

Für ihn bedeutet Humor keinesfalls, den Verlust weniger ernst zu nehmen oder Witze über etwas zu machen, das zutiefst schmerzt. Er beschreibt Humor vielmehr als eine innere Haltung und als eine Brücke zur Zuversicht.

Nach seinen eigenen Verlusten hat er erlebt, dass  nach der Traurigkeit irgendwann auch der Humor wieder Raum bekommen konnte. Nicht anstelle der Trauer, sondern neben ihr.

Ein Satz aus unserem Gespräch bringt diesen Gedanken für mich besonders schön auf den Punkt:

„Ich predige mir selbst ständig die Leichtigkeit in aller Schwere.“

Genau das kann eine wichtige Botschaft für Sternenkind-Mamas und Sternenkind-Papas sein:

Du darfst traurig sein und trotzdem lachen. Du darfst dein Kind vermissen und trotzdem schöne Momente erleben. Du darfst trauern und gleichzeitig wieder Lebensfreude spüren.

Das eine nimmt dem anderen nichts weg.

Rainer Juriatti - 1200 km für Sternenkinder
Rainer Juriatti mit dem leeren Kinderwagen

Was symbolisiert der leere Kinderwagen für Sternenkind-Eltern?

Rainer Juriatti läuft 1.200 Kilometer mit einem Sportkinderwagen quer durch Österreich. Mehr als 40 Kilogramm zieht und schiebt er über Straßen, Wege und Steigungen.

Doch das Schwerste an diesem Kinderwagen ist nicht seine Gewicht.

Er ist leer.

Gerade bergauf wird diese Leere für Rainer Juriatti besonders spürbar. Im Interview erzählt er von einer Strecke, die sich über Stunden langsam nach oben zog. Der schwere Wagen zieht an ihm und während er ihn Schritt für Schritt weiterbewegt, denkt er daran, dass dieser Kinderwagen leer ist und leer bleiben wird.

Denn auch wenn Eltern nach einem Verlust später ein weiteres Kind bekommen: Der Platz dieses einen Kindes lässt sich nicht ersetzen.

Dieses Sternenkind bleibt Teil der Familie. Es bleibt Teil der eigenen Geschichte. Mit ihm bleibt auch eine Leerstelle, die kein anderes Kind füllen muss oder kann.

Genau dafür steht Rainer Juriattis Kinderwagen.

Sein Gewicht symbolisiert die Last, die Sternenkind-Eltern nach dem Verlust ihres Kindes mit sich tragen. Rainer Juriatti trägt diese Last über Berge und Täler, durch ganz Österreich. 1.200 Kilometer lang.

Sternenkind-Eltern tragen sie sehr viel länger.

Rainer Juriatti bringt es am Ende unseres Gesprächs mit wenigen Worten auf den Punkt:

„Ich trage es nur 1.200 Kilometer, Sternenkind-Eltern ihr Leben lang.“

Genau deshalb ist dieser leere Kinderwagen ein so starkes Symbol. Er macht etwas sichtbar, das wir von außen oft nicht sehen können: 

Ein Kind kann fehlen und gleichzeitig für immer dazugehören.

Genau das ist auch die Botschaft hinter diesen 1.200 Kilometern: Sternenkinder sichtbar zu machen und mit ihnen die Mamas und Papas, die sie ein Leben lang im Herzen weitertragen.

Sternenkinder sichtbar machen
Am leeren Kinderwagen werden Sternenkinder durch Erinnerungssterne sichtbar gemacht.

Fazit: Sternenkinder und Trauer brauchen einen Platz in unserer Gesellschaft

Was mir von diesem Gespräch mit Rainer Juriatti besonders bleibt, ist die Erkenntnis, dass es machmal gar nicht die großen Gesten braucht.

Es braucht Menschen, die nicht wegsehen.

Die den Namen eines Sternenkindes aussprechen. Die zuhören, wenn Eltern von ihrem Kind erzählen möchten. Die nicht erwarten, dass Trauer irgendwann abgeschlossen sein muss. Die aushalten können, dass es auf manche Fragen keine Antwort gibt.

Denn Sternenkinder gehören zu ihren Familien. Egal, wie kurz ihr Leben war. Und auch die Trauer um sie darf einen Platz haben. Nach einigen Wochen genauso wie nach 5, 10 oder 30 Jahren.

Gleichzeitig hat mir unser Gespräch gezeigt, dass Trauer und Lebensfreude keine Gegensätze sein müssen. Neben dem Schmerz darf irgendwann wieder Leichtigkeit entstehen. Humor. Zuversicht. Vielleicht sogar etwas, das dem eigenen weiteren Leben eine neue Bedeutung gibt.

Nicht, weil dadurch plötzlich alles gut ist. 

Nicht, weil der Verlust einen Sinn haben muss.

Sondern weil Trauer und Leben nebeneinander existieren dürfen.

Rainer Juriatti trägt diese Botschaft 1.200 Kilomenter durch Österreich. Mit jedem Schritt, jeder Begegnung und jedem Gespräch macht er auf Menschen aufmerksam, deren Geschichten viel zu oft im Stillen bleiben.

Davon können auch wir uns etwas mitnehmen:

Sternenkinder dürfen gesehen werden. Ihre Namen dürfen genannt werden. Ihre Geschichten dürfen erzählt werden. Und ihre Eltern dürfen wissen: Euer Kind gehört dazu.

Hör dir meinen Podcast an

In dieser Podcast Folge erfährst du, wie Rainer Juriatti mit „1.200 km für Sternenkinder“ für mehr Sichtbarkeit sorgt und warum Trauer, Mut und Zuversicht nebeneinander ihren Platz haben dürfen.

Baby Wunder - Der Kinderwunsch Podcast fürs Herz mit Monika Sageder

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Folge 55: Sternenkinder und Trauer. 1.200 km für Sternenkinder – Interview mit Rainer Juriatti

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Shownotes zur Podcast Folge

Über „Mein Sternenkind“

Rainer Juriatti engagiert sich gemeinsam mit seiner Frau Vera im Verein „Mein Sternenkind“ für Sternenkinder und ihre Familien. Herzstück ist eine unabhängige Online-Suchhilfe, über die Betroffene passende Angebote und Anlaufstellen der Sternenkindhilfe finden können. 

Darüber hinaus engagieren sich Vera und Rainer Juriatti unter anderem in der Akutbegleitung, Sternenkindfotografie, Elternbegleitung sowie mit Vorträgen und Veranstaltungen für mehr Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung von Sternenkindern und ihren Eltern.

Du musst mit all dem nicht alleine bleiben

Dieser Beitrag hat etwas in dir berührt? Du hast ein Sternenkind, steckst mitten im Kinderwunsch oder spürst, wie sehr ein Verlust deinen weiteren Weg beeinflusst?

Im Kinderwunsch Herzensgespräch nehmen wir uns Zeit für dich und schauen gemeinsam darauf, wo du gerade stehst, was dich im Moment besonders beschäftigt und welche Unterstützung dir auf deinem weiteren Kinderwunschweg guttun kann.

Wenn du das Gefühl hast: „Ja, ich möchte gerade jemanden an meiner Seite haben“, dann suche dir gerne einen Termin für dein Herzensgespräch aus.

Über die Autorin - Monika Sageder

Monika Sageder, Kinderwunsch Coach, Praxis in Linz, Online via Zoom

Ich bin Monika Sageder, Kinderwunsch Coach mit Herz, Humor und einen ganzheitlichen Blick auf deinen Kinderwunsch.

Im Podcast teile ich Impulse, die Mut machen, stärken und dich sanft auf deinem Weg zu deinem kleinen Baby Wunder begleiten. Ich glaube daran, dass jeder Kinderwunschweg einzigartig ist und dass du genau spürst, was du wirklich brauchst.

Ich unterstütze dich dabei, dieses Vertrauen wiederzufinden.

Wenn du spürst, dass dein Kinderwunsch eine neue Richtung braucht. Mehr Klarheit, mehr Vertrauen und echte Schritte, die deine Chancen erhöhen können, dann lass uns reden.

In einem Herzensgespräch für 0 € schauen wir gemeinsam, was du jetzt wirklich brauchst und wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann.

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